Das Schloss – Die Schule

Gedanken zur Baugeschichte von Schloss Leesdorf
(von Prof. DI Michael Wagner) 

Das romanische Schloss wurde 1114 erstmals erwähnt. Es ist ein Vierflügelbau um einen rechteckigen Innenhof. In der Mitte befindet sich ein mittelalterlicher sechsstöckiger Bergfried, an der Vorderseite ein barockisierter Torturm. Die Vorderseite hat zwei, die Rückseite drei Stockwerke. Sie ist mit einem Bergfried verbunden.

Ursprünglich besaß das Schloss zwei Zugbrücken – eine am Fußgängertor, eine am Fahrtor. Sie wurden durch eine einzige feste Brücke ersetzt, die über den mit Wasser gefüllten Ringgraben führte.

Die Umgestaltung in ein Barockschloss fand Anfang des 18. Jahrhunderts unter Abt Berthold Diethmayer statt. Mit Berthold Diethmayer wird immer wieder gerne der Name Jakob Prandtauer genannt. Dabei wurde der achteckige Frontturm sowie ein an den Torturm angelehntes einstöckiges Gebäude abgetragen. Der Kapellentrakt wurde ausgebaut und durch einen Querflügel mit dem Haupttrakt verbunden. Der Torturm wurde mit einem Barockaufsatz verziert. Dieses Aussehen behielt das Schloss bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts.

1852 ließ der Besitzer, Dr. Stanislaus Neumister, den Burggraben zuschütten und die hölzerne Brücke durch eine steinerne ersetzen. Drei der vier Ecktürme wurden bis auf die Höhe der Umfassungsmauer abgerissen, der vierte blieb stehen. 1885 wurde das Schloss durch den Architekten Walther R. v. Moltheim restauriert.

1905 wurden die bisher letzten Um- und Zubauten vorgenommen. Diese bestanden aus einem Turmaufsatz, Rundtürmen und Terrassen.

Seit 1934 war das Schloss im Besitz von Schwestern des 3. Orden vom Heiligen Franziskus. Von ihnen wurde es durch den Vorstand der Wiener Malerinnung – Franz Schandara, Raoul Dürschmidt und Leo Chini – gepachtet. Die Mittel für die Instandsetzung des kriegsgeschädigten Gebäudes wurden von Malerhandwerk und Farbenindustrie zur Verfügung gestellt.

Der Festsaal

Der ehemalige Rittersaal wurde 1716 bis 1721 unter Abt Berthold Diethmayer nach dem Vorbild des Melker Marmorsaales zu einem barocken Festsaal umgebaut.

Das Deckenfresko zeigt den Zeitgott Chronos, der von den vier Jahreszeiten – symbolisch dargestellt durch vier Puttigruppen – umgeben ist. Für das grandiose Deckenfresko kann leider bislang nicht eindeutig nachgewiesen werden, wer der ausführende Künstler gewesen ist. Jedoch wird gerne auf das Umfeld von Paul Troger verwiesen. Das Spiegelgewölbe besitzt eine Stichhöhe von rund 70 cm und ist meisterhaft mit Scheinarchitektur ausgestattet. Diese verstärkt damit bewundernswert den räumlichen Illusionismus. 1874 wurden die Fresken von zwei Malern – einer für Figuren, einer für Ornamente – restauriert. Von ihnen sind nur die Zeichen FC und HB bekannt.

Die Kapelle

Die romanische Kapelle wurde 1716 barockisiert. Die Decke wurde mit einem Fresko versehen, das die heilige Dreifaltigkeit zeigt. Die Kapelle ist dem Heiligen Nikolaus geweiht.

1776 erhielt die Kapelle einen neuen Altar. Dieser soll eine Kopie des “Maria Brünni” von Kaiserbrunn gewesen sein.

1926 wurde das klassizistische Altarbild durch ein anderes ersetzt. Heute ziert ein Triptychon von Mag. Erich Novoszel den Altarraum.

Die Kapelle wurde in der Nachkriegszeit durch die russischen Besatzer verwüstet und als Rumpelkammer verwendet.

In den siebziger Jahren wurde sie von Prof. Hans Wulz mit Schülern der Meisterklasse renoviert.

Die Chronik

Eckdaten – Chronik der Schulentwicklung ab 1925

 

Zeit

Ereignis

Anmerkung

1925

Herbst 1925 wird die „Meisterschule der Wiener Maler“ durch August Hoffmann, Franz Weiss und August Walter gegründet. Der Unterricht wird in Form eines 4-monatigen Ausbildungskurses abgehalten. Ort der Veranstaltung ist zunächst ein Raum der Wiener Zimmer- und Dekorationsmaler in Wien IX, Laudongasse 8. Der Vorstand setzt sich aus den 3 Gründungsmitgliedern zusammen. Die künstlerische Leitung der Meisterschule übernimmt August Hoffmann, die organisatorischen Belange werden vom Genossenschaftsvorsteher Franz Weiss und seinem Stellvertreter August Walter betreut.

Gründung der „Meisterschule“ des österreichischen Malerhandwerks“

1929

1929 erhält die Wiener Malerschule wegen des großen Erfolges mit dem „Reichsverband der Maler, Anstreicher und deren verwandte Gewerbe Österreichs“ einen Schulträger. Das Ausbildungsangebot bietet sich nun als ein bundesweites an. Die junge, aufstrebende Meisterschule ist damit zur „Meisterschule des österreichischen Malerhandwerks“ geworden.

1930

1930 kommt es zu einer Änderung in der Ausbildungsform. Die bisherige Unterrichtsführung in Form von kursmäßigen Lehrgängen wird durch einen in Klassen geführten Unterricht ersetzt. Einem zeitgemäßen Unterricht entsprechend, führt die Meisterschule des österreichischen Malerhandwerks nun drei Aufbauklassen und eine Meisterklasse. Die mit der Schulreform verbundenen Aufgaben werden von Prof. Franz Kaulfersch übernommen.

1935

1935 wird Prof. Franz Kaulfersch zum Direktor ernannt. Der provisorische Lehrplan wird von der vorgesetzten Schulbehörde als verbindlich erklärt.

1939

1939 werden die Agenden des Schulerhalters vom Reichsministerium für Unterricht übernommen. Der Name der Schule wird geändert: Die Schule nennt sich nun „Meisterschule des deutschen Malerhandwerks“.Die Absolventen der Meisterklasse erhalten ein staatsgültiges Zeugnis und erlangen damit auch die Studienberechtigung an  den Kunsthochschulen.

1943

1943 übernehmen Rudolf Holzinger und Sepp Wieltschnig nach der Einberufung von Direktor Franz Kaulfersch die Schulleitung. Die Fortführung des Schulbetriebes wird unter schwierigen Umständen aufrecht gehalten.

1945

Am 31. März 1945 kommt es bei einem Luftangriff zur Zerstörung des Schulgebäudes in der Severingasse.

1946

1946  findet die Wiederaufnahme eines ordnungsgemäßen Schulbetriebes mit dem Schulstandort im Wiener Kolpinghaus statt.

1948

Im Jahr 1948 steht fest: Schloss Leesdorf in Baden bei Wien wird neuer Standort der Meisterschule des österreichischen Malerhandwerks. Es galt, ein zum Teil zerstörtes und beschädigtes Gebäude in Stand zu setzen um wieder einen Schulbetrieb aufnehmen zu können.Am 5. September 1948 war es dann soweit. Der Unterricht in Schloss Leesdorf  konnte beginnen.

1955

Im Staatsvertragsjahr 1955 wird anlässlich des dreißigjährigen Bestandsjubiläums von Repräsentanten des Handwerks und der Farbindustrie der „Verein der Förderer des Malerhandwerks und seiner Bildungsstätten“ gegründet. Dieser Verein ist zunächst Gönner der Meisterschule und wird später Schulerhalter der Malerschule Leesdorf. Diese Funktion übt der Verein  bis zum heutigen Tag aus.In den 50-er Jahren etabliert sich die Meisterschule als traditionelle Ausbildungsstätte des österreichischen Malerhandwerks.

1968

Direktor Kaulfersch tritt in den wohlverdienten Ruhestand und als neuer Direktor wird der Abteilungsvorstand für Möbelbau an der Höheren Technischen Lehranstalt Mödling, Architekt Otto Sipek zum Schulleiter bestellt.Direktor Sipek reorganisiert die Malerschule Leesdorf und ist darum bemüht, die Meisterschule mit einer Fachschule zu ergänzen. Der Meisterschule werden 4 Planstellen als „Lebende Subventionen“ zugewiesen.

1971

Es soll eine dreijährige Fachschule eingerichtet werden, als Schulerhalter geht aus der Diskussion der „Verein der Förderer des Malerhandwerks und seiner Bildungsstätten“ hervor. Die offizielle Bezeichnung der neuen Schulform lautet: „Fachschule für Malerei, Anstrich und verwandte handwerkliche Techniken“.Im September 1971 wird mit Genehmigung des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst die 1. Fachschulklasse geführt.Auch die zeitliche Unterrichtsorganisation der Meisterklasse wird verändert. Die vormalige und saisonbedingte sechsmonatige Führung (November bis April) von 3 Klassen wird zu Gunsten eines neuen Zeitmodells geändert.Die Ausbildungsdauer wird auf 2 Klassen verkürzt. Die erste Klasse wird als Vorbereitungsklasse in der Dauer von 6 Monaten (November bis April) geführt. Der Besuch der 2. Klasse, dies war die eigentliche Meisterklasse, erstreckt sich auf 10 Monate und findet nunmehr  in der Zeit von September bis Juni statt und entspricht somit der Dauer unseres gegenwärtigen Unterrichtsjahres.

„Fachschule für Malerei“ an der Malerschule Baden

1976

1976 tritt Direktor Sipek in den Ruhestand und OSR Sepp Wieltschnig wird abermals zum Schulleiter bestellt.

1977

1977 tritt OSR Sepp Wieltschnig, der bereits als „Leesdorfer Legende“ bezeichnet wird,  in den wohlverdienten Ruhestand.1977 wird Ing. Johann Docekal mit der Schulleitung betraut. Zu dieser Zeit umfasst die Meisterschule des österreichischen Malerhandwerks 6 Klassen mit insgesamt 118 Schülern, die von 4 subventionierten Bundeslehrern und 6 Privatlehrern unterrichtet werden.

1980

Das Unterrichtsministerium übernimmt  alle Lehrer der Fach- und Meisterschule als „Lebende Subvention“ in den Bundesdienst.

1985

1985 übernimmt Arch. DI Dr. Egon Presoly die Schulleitung.

1988

Die Malerschule erhält einen 6-semestrigen Aufbaulehrgang für Bautechnik, Ausbildungszweig Farbtechnik und Farbgestaltung.

„Aufbaulehrgang“ an der HTL Baden

1994

Dkfm. Norbert Sandrieser wird Schulleiter des Aufbaulehrganges und des Kollegs.

1994/95

Im Schuljahr 1994/1995 erhält die HTL Baden ein Kolleg für Bautechnik:-Ausbildungszweig: Farbtechnik und Farbgestaltung.

„Kolleg für Bautechnik“ an der HTL Baden

1995

Schulversuch :Fachschule für Gehörlose in Kooperation mit dem BIG in Wien.

„Fachschule für Gehörlose“ an der HTL Baden

1996

Dir. Ing. Johann Docekal wird pädagogischer und administrativer Leiter der Gesamtschule.

1997

Inbetriebnahme des neuen Internats in Schloss Leesdorf

1999/2000

75-Jahre Meisterschule, die Schule wird renoviert.

2001

Pensionierung Dir. Docekal.

2002-2003

Schulleiter Dr. Josef Zenz.

Seit 2003

Schulleiter DI Michael Wagner

2004/2005

Jubiläum: 80 Jahre Meisterschule, 10 Jahre Kolleg und 10 Jahre Fachschule für Gehörlose

Jubiläum

2005/2006

Einrichtung eines Farb- und Lichtstudios

2011/2012

Einrichtung eines Grafik- u. Designstudios in der Haidhof-Werkstätte