Gehörbehinderung: Oftmals werden Gehörlose und Blinde als "Sinnesbehinderte"
in einer Gruppe zusammengefasst. Das ist eine sehr gefährliche Praxis,
denn die Blinden haben mit dem Erlernen der Lautsprache überhaupt keine
Probleme und für die Schriftsprache gibt es mit der Brailleschrift ein
bewährtes Umsetzungsinstrument.
Die Gehörlosen (und damit sind immer auch schwer Hörbehinderte mitgemeint) können die Lautsprache aber nicht eigenständig erlernen, schlicht weil sie sie nicht (ausreichend) hören.
Wer aber nicht sprechen kann, oder - noch schlimmer - unartikulierte "tierische Laute" von sich gibt, kann doch geistig nicht in Ordnung sein, oder? Schließlich unterscheidet ja die Sprache den Menschen vom Tier.
Eine zweite Vorannahme steckt im Satz: "Die Sprache ist ein
Kennzeichen des Menschen". Es wird nämlich "Sprache" mit "Lautsprache"
gleichgesetzt.
Wenn wir unter Sprache auch optische Systeme wie die
verschiedenen Gebärdensprachen der Welt verstehen, dann besitzen die
Gehörlosen ja eine Sprache, nur eben in einem anderen Übertragungskanal,
dem optischen.

|